150 Jahre Enztalbahn – Jubiläum

Die Enztalbahnstrecke ist die älteste Bahnstrecke im Nordschwarzwald. Gründe für ihren Bau waren der Transport von Gütern bis hin Badeort Wildbad.

Jubiläum wird gefeiert

Am Samstag und Sonntag, 9. und 10. Juni 2018, wird das Jubiläum „150 Jahre Enztalbahn“ gefeiert. In den Gemeinden entlang der Bahnstrecke zwischen Pforzheim und Bad Wildbad sind verschiedene Veranstaltungen geplant. Am Sonntag, 10. Juni 2018, kann die Stadtbahnlinie S6 zwischen Pforzheim und Bad Wildbad kostenlos genutzt werden.

Die Anfänge der Enztalbahn

Eine mäßig geschmückte Lokomotive, welcher ein Personenwagen und mehrere Gepäckwagen angehängt waren“, so die Zeitung „Der Enzthäler“, brachte etwa 30 Eisenbahnbau- und Finanzbeamte mit der ersten offiziellen Fahrt der Enztalbahn am 8. Juni 1868 nach Wildbad.Ab dem 11. Juni 1868 konnten alle mit der neuen Bahn fahren. Der sogenannte „beschleunigte Personenzug“ brauchte 50 Minuten von Pforzheim nach Wildbad und hatte sechs Stationen – Brötzingen, Birkenfeld, Neuenbürg, Rothenbach, Höfen und Calmbach. Wobei zunächst nicht wirklich alle Menschen sich die Bahn leisten konnten, da die Fahrpreise recht hoch waren.
Schon einen Tag später, am 12. Juni 1868, beehrte König Karl von Württemberg die neue Bahnstrecke. Dazu meldete „Der Enzthäler“: „Neuenbürg. Seine Majestät unser König haben Sich, mit einem Extrazuge aus Pforzheim her heute Morgen nach 9 Uhr hier durchreisend nach Wildbad begeben.“
König Karl von Württemberg musste bei seiner Fahrt 1868 noch ein wenige Kilometer langes Teilstück zwischen Pforzheim und Birkenfeld über badisches, also ausländisches Territorium nehmen. Für dieses kleine Stück war eigens ein Staatsvertrag zwischen den beiden Ländern abgeschlossen worden, der den Bau der württembergischen Staatsbahn über badisches Land regelte. Ab 1874 verband dann ein Gleisdreieck in Brötzingen die in jenem Jahr fertiggestellte Nagoldtalbahn von Calw nach Pforzheim mit der Enztalbahn, sodass eine direkte Verbindung von Stuttgart über Calw nach Wildbad möglich war, ohne dass Pforzheim angefahren und nur sehr wenig badischer Boden berührt werden musste. Das Gleisdreieck diente vor allem dem Sonderzugverkehr des Hofes von Stuttgart nach Wildbad, diese Verbindungskurve wurde daher auch „Königskurve“ genannt.

Der Bahnhof in Wildbad

Das Bahnhofs-/Verwaltungsgebäude entstand in den Jahren 1868 bis 1870. „Der Enzthäler“ schrieb am 16. November 1869: „Die definitive Erstellung des Verwaltungsgebäudes, sowie das Beziehen der Dienstlokale in demselben dürfte nicht vor dem Vorsommer nächsten Jahres zu erwarten sein.“ Über eine offizielle, feierliche Eröffnung des Bahnhofsgebäudes ist allerdings kein Bericht zu finden, sodass davon auszugehen ist, dass es 1870 still und leise bezogen wurde.
Der Wildbader Bahnhof gilt als „königlicher“ und „elegantester“ aller Bahnhöfe Württembergs. Wildbad war die bedeutendste Bäderstadt in Württemberg und zu seiner Blütezeit im 19. Jahrhundert gaben sich hier gekrönte und ungekrönte Häupter Europas die Ehre. Das Bahnhofsgebäude sollte die Gäste repräsentativ empfangen, daher schmücken mehr Ornamente und Elemente dieses Gebäude als an anderen Bahnhöfen der württembergischen Bahn üblich. Im linken Teil des Gebäudes wurde der Empfangssalon für die hochrangigen Bahnreisenden eingerichtet.

Weitere Entwicklung

Im Laufe der weiteren Jahrzehnte sanken die Fahrgastzahlen auf der Bahnstrecke, auch weil der Individualverkehr mit dem Auto immer mehr an Bedeutung gewann. Es wurde über eine Stilllegung der Strecke diskutiert, bis als mögliche Alternative eine elektrische Stadtbahn zwischen Pforzheim und Wildbad geprüft wurde. Diese wurde schließlich durch die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) auch realisiert: Die Stadtbahnlinie S6 bis zum Wildbader Bahnhof wurde am 14. Dezember 2002 eröffnet, und am 4. Oktober 2003 folgte die Einweihung der innerstädtischen Verlängerungsstrecke bis zur heutigen Endhaltestelle Bad Wildbad Kurpark.
Text: Dr. Marina Lahmann