Ein Kino-Kleinod

Letztes Jahr hat ein Förderverein in Bad Wildbad den Kinosaal im Forum-König-Karls-Bad wiederbelebt – aber aller Anfang ist schwer.

Allein

Allein schon durch die Räumlichkeit entsteht im kiWI eine ganz besondere Stimmung.

Kinobegeisterten und Nostalgikern wird beim Anblick des winzigen Saals warm ums Herz: Nach jahrelangem Leerstand hat im März 2015 in Bad Wildbad im Forum-König-Karls-Bad wieder ein Kino eröffnet. Nur einen Vorführraum und gerade einmal 68 Sitzplätze hat das KiWi-Kino. Dennoch – oder gerade deshalb – besticht es mit einem ganz eigenen Charme. Rot bezogene Sessel und eine Verkaufstheke samt selbst entworfener Tresenmöbel verleihen dem Raum im historischen „Haus des Gastes“ ein feierliches, aber keineswegs eingestaubtes Ambiente. Die Technik hingegen ist brandneu.

Schwankende Besucherzahlen

Gezeigt wird im KiWi eine bunte Mischung aus Independent-Filmen und bekannten Filmen. „Es ist nicht leicht, ein Kino nach langem Leerstand wieder zu eröffnen“, erzählt Joachim Wossidlo, der Leiter des Kinos. „Nach einem guten Start hatten wir mit einem starken Besucherrückgang zu kämpfen, was sich erst im Dezember 2015 wieder besserte.“ Bis Ende Mai 2016 war die Anzahl der Gäste erfreulich. Der heiße Frühsommer und die Fußball-Europameisterschaft ließen die Besucherzahlen dann wieder zurückgehen. Wossidlo macht jedoch nicht den Eindruck, als würde er demnächst aufgeben: „Im ­Moment können wir mit dem Kino­betrieb zwar noch nicht alle Kosten decken, aber ich bin überzeugt, dass wir auf einem guten Weg sind. Wir haben inzwischen ein abwechslungsreiches Programm, das seine Wirkung zeigt.“ Im Durchschnitt besuchen 22 Besucher das Kino pro Vorstellung. Bis Mitte November 2016 wurden am Eingang des KiWi 9655 Karten abgerissen, 138 Filme wurden im Theatersaal gezeigt. Die beliebteste Vorstellung war bislang unangefochten „Honig im Kopf“ mit ­Dieter Hallervorden sowie Til und Emma Schweiger in den Hauptrollen.

Höher sitzen mit den Stadtwerken

Mit dem Seniorenrat veranstaltet das KiWi einmal im Monat ein Nachmittagskino mit Kaffee und Kuchen, in Kooperation mit der Volkshochschule Calw präsentiert man eine Reihe filmhistorischer Werke. Lehrer und Schüler der Schulen in der Umgebung können vormittags zu reduzierten Preisen Filme sehen, die beispielsweise mit dem Unterrichtsstoff korrespondieren. Das soll einerseits die Medienkompetenz erweitern, andererseits das KiWi-Kino in das Bewusstsein der jüngeren Generation rücken. Die Stadtwerke Bad Wildbad unterstützen das Kino mit 36 gespendeten Sitzerhöhungen für Kinder.

Berlinale-Direktor

Berlinale-Direktor Dieter Kosslik trägt sich ins Gästebuch des KiWi ein.

Zusammen stark

Getragen wird das KiWi vom Verein „Kino in Wildbad e. V.“; kräftig unter die Arme greift dem Kino der ­Touristikverein Bad ­Wildbad, der Reservierungen und Post entgegennimmt und sich um die Buchhaltung kümmert. KiWi und ­Kommunales Kino in Pforzheim profitieren beide von ihrer Zusammenarbeit: Das Kommunale Kino in Pforzheim stellt den modernen Digitalprojektor. Dieser kommt auch beim Open-Air-Kino im ­Innenhof des Kultur­hauses Osterfeld zum Einsatz. Zur selben Zeit beschallt die im KiWi verwendete Tonanlage das Sommerkino in der Klosterruine Hirsau. In der restlichen Zeit des Jahres nutzt das KiWi diese Technik und zahlt dafür Miete, um die Refinanzierung des Projektors zu unterstützen. Aus diesen Gründen gibt es beim KiWi-Kino eine Sommerpause: Es schließt im Juni und öffnet im September nach den Schulferien, wenn die Open-Air-Kino-Saison vorbei ist.


Aus analog wurde digital

Der Beruf „Filmvorführer“ weckt bei vielen noch immer automatisch die Vorstellung an einen Stapel Filmrollen und einen knatternden Projektor. Doch inzwischen verschicken die Verleiher ihre Filme gar nicht mehr auf 35-mm-Rollen, sondern auf Festplatten gespeichert an die Kinos. Der Film ist nicht selten 200 Gigabyte groß. Ein speziell fürs Kino entwickeltes Dateiformat verhindert, dass er auf einem normalen Computer abgespielt werden kann. Noch dazu ist die Datei meist verschlüsselt: Ein bis zwei Tage vor der Erstvorführung erhält der Kinobetreiber per E-Mail einen Code, um den Film auf dem entsprechenden Medienserver freizuschalten. Projektor und Server sind eine kostspielige Angelegenheit: Für das Geld könnte man auch ein Luxusauto kaufen.


Förderkreis für Kinofans

Seit Dezember 2015 gibt es einen Förderkreis für das KiWi-Kino, der inzwischen über 40 Mitglieder hat. Einmal im Monat treffen sich diese im KiWi-Kino. Dort wird in zwangloser Runde beraten, was gerade ansteht. Die ehrenamtlichen Mitglieder helfen bei Sonderveranstaltungen, verteilen das Programm, organisieren Kooperationen oder denken einfach nur mit. Dafür erhalten sie Freikarten und das Gefühl, „ihrem“ Kino zu helfen. Liebhaber des KiWi sind herzlich eingeladen, sich dem Förderkreis anzuschließen.

Mitglied werden:? Wer sich für den KiWi-Förderkreis interessiert, erhält im KiWi-Kino oder in der Tourist-Information Bad Wildbad Infos.
Mehr Infos zum Kino erhalten Sie hier.