Energie sparen

Die Entwicklungen rund um den Krieg in der Ukraine führten und führen zu großen Dynamiken in der Energiewirtschaft. So sieht sich zum Beispiel der Bund gezwungen, den Energiekonzern Uniper mit einem 15 Milliarden Euro schweren Paket zu retten!

Auf der Homepage der Bundesnetzagentur fand sich Ende Juli folgender Lagebericht:

  • Seit dem 23. Juni 2022 gilt die Alarmstufe des Notfallplans.
  • Die Lage ist angespannt und eine Verschlechterung der Situation kann nicht ausgeschlossen werden. Die Gasversorgung in Deutschland ist im Moment aber stabil. Die Versorgungssicherheit in Deutschland ist derzeit weiter gewährleistet.
  • Die Gasflüsse aus der Nord Stream 1 liegen derzeit bei etwa 20 Prozent der Maximalleistung.
  • Sollten die russischen Gaslieferungen über Nord Stream 1 weiterhin auf diesem niedrigen Niveau verharren, ist ein Speicherstand von 90 Prozent bis November kaum mehr ohne zusätzliche Maßnahmen erreichbar. Von der Reduktion ist die Weitergabe von Gas in andere europäische Länder wie zum Beispiel Frankreich, Österreich und Tschechien betroffen.
  • Aktuell wird wieder mehr eingespeichert. Der Gesamtspeicherstand in Deutschland liegt aktuell zum Redaktionsschluss Mitte August bei 75 Prozent. Der Füllstand des Speichers Rehden beträgt rund 56 Prozent.
  • Die Großhandelspreise sind in Folge der Lieferreduzierung spürbar gestiegen und haben sich zuletzt auf höherem Niveau eingependelt.
  • Unternehmen und private Verbraucher müssen sich auf deutlich steigende Gaspreise einstellen.

Was bedeutet dies zunächst aus rein physikalischer Sicht?

Vor der Kürzung der Lieferungen über Nord Stream 1 erreichten uns 1,6 Milliarden kWh Gas am Tag. Aktuell beträgt die Menge ungefähr 200 Millionen kWh Gas am Tag.
Nach wie vor kein Gasfluss wird am Grenzübergabepunkt (GÜP) Kondratki (Polen/Belarus) gemeldet. Über GÜP Strandzha und GÜP Velké Kapušany sind seit Mitte Mai Gasflüsse auf geringem Niveau zu beobachten.
Zugenommen hingegen hat die Versorgung über Norwegen oder auch über die Niederlande. Die aktuellen Mengen reichen aus, um im Gasnetz einen stabilen Druck zu garantieren und somit alle Verbraucher in gewohnter Weise zu versorgen.
Diesen (Mindest-)Druck innerhalb der unterschiedlichen Transport- und Verteilnetze zu halten, hat sich auch die Bundesnetzagentur (BNetzA) auf die Fahnen geschrieben. Beim Ausrufen der Notfallstufe ist geplant, die größten Verbraucher, das heißt Industrieunternehmen, entweder zu drosseln oder ganz vom Netz zu nehmen. Das gemeinsame Ziel der Netz-betreiber und der BNetzA, die dann als Bundes-last-verteiler agiert, ist klar: Die sogenannten geschützten Kunden (zum Beispiel Haushalte) sollen weiterhin mit Gas versorgt werden.
Sollte dies nicht gelingen und es zu einem Absinken des Drucks unter ein bestimmtes Niveau kommen, würden automatisch gewisse Sicherheitseinrichtungen fallen, die dann das Gasnetz sperren. Dies hätte dann Auswirkungen auf alle angeschlossenen Gaskunden.

Welche finanziellen Auswirkungen bekommen wir in jedem Fall zu spüren?

Schon vor der Ukrainekrise hatten sich an den Energiemärkten die Preise nach oben bewegt, sowohl bei Strom als auch bei Gas.
Nach Ausbruch des Krieges hat sich ein nie dagewesenes Niveau eingestellt, dessen heutiger Stand auch noch in den Folgejahren bestehen bleibt.
Man muss sich vor Augen führen, dass die Kilowatt-stunde Strom an der Börse 50 Cent (ct) im Base kostet, im Peak sogar 70 ct! Der heutige Strompreis, in dem aber schon alle Steuern, Abgaben und Netznutzungsentgelte enthalten sind, beträgt gerade einmal etwas mehr als 30 ct/kWh!
Für Gas muss man an der Börse für die reine Energie inzwischen mehr als 20 ct/kWh berappen. Dies ist aber leider nicht der vollständige Preis, der auf uns zukommt. Neben dem noch fehlenden Spotanteil wird durch das neue Energiesicherungsgesetz und hier durch den Paragraphen 26 eine Gas-beschaffungsumlage von 2,419 ct/kWh netto ab Oktober 2022 fällig. Hinzu kommt die Gasspeicherumlage von 0,059 ct/kWh netto.
Klar ist, dass die Kosten der Einspeicherung, der Ersatzbeschaffung von wegfallenden Mengen aus Russland sowie die sonstigen Aufwendungen zur Rettung – zum Beispiel von Uniper – auf die Gaskunden umgelegt werden müssen.
Wir alle müssen sowohl beim Strom als auch beim Gas mit einer Vervielfachung der Preise rechnen. Daher sind wir alle gut beraten, sehr, sehr sorgsam mit Energie umzugehen. Nicht nur aus ökologischen Gründen, sondern auch aus monetären!

Vielleicht schaffen wir es dann gemeinsam, durch diesen besonnenen Umgang auch einen drohenden Gasnotstand zu vermeiden. Unsere Industrie, deren Produkte und damit unsere Arbeitsplätze, die unseren Wohlstand sichern, sollte uns allen am Herzen liegen!


Aktuelle Infos
Die Bundesnetzagentur informiert ständig über die aktuelle Lage auf dem Gasmarkt.