Energiepreisspirale: eine unendliche Geschichte

Womit müssen Verbraucher im Jahr 2020 rechnen? Energiepreise werden steigen. Das hat viele Gründe, wie Stadtwerke-Geschäftsführer Peter Buhl berichtet.

Die Energiewende wird dringender denn je. Dass sie nicht zum Nulltarif zu haben ist, sollte jedem klar sein. Doch es sind nicht die Energieversorger, die Strompreise in die Höhe treiben. Mehr als die Hälfte landet in der Staatskasse.

Erhöhung der EEG-Umlage um 0,351 Cent/kWh auf 6,756 Cent/kWh

Vielleicht sollte man sich in Erinnerung rufen, dass ein Umstieg auf regenerative Energien Konsens in unserem Land war. Dass dies nicht zum Preis von einer Kugel Eis zu haben ist, wie der damalige Umweltminister Jürgen Trittin verkündete, ist nun vermutlich jedem bekannt. Etwa 24 Milliarden Euro kostet uns die Förderung der erneuerbaren Energien jedes Jahr und diese Summe wird auf den Endverbraucher umgelegt. Dies ist auch absolut korrekt, denn wir werden alle zukünftig davon profitieren. Weniger Emissionen sind für den Schutz der Umwelt unabdingbar.

Erhöhung der Netznutzungsentgelte um rund acht Prozent in Baden-Württemberg

Dass die elektrische Energie aus regenerativen Quellen irgendwie transportiert werden muss, ist auch klar. Die Anbindung der vielen dezentralen Anlagen, vor allem an den Windkraftstandorten, hat den dortigen (Übertragungs-)Netzbetreibern viel Arbeit beschert. Die entstandenen Kosten haben sich vor allem bei den großen Übertragungsnetzbetreibern amprion, 50Hertz Transmission und Tennet TSO, die, bildlich gesprochen, die Stromautobahnen betreiben, niedergeschlagen. Gerade diejenigen, die die leistungsstarken Offshore-Parks anschließen, mussten enorme Summen in die Hand nehmen. Unser Übertragungsnetzbetreiber in Baden-Württemberg, die transnetBW, ist aber Teil des Systems. Um Ungleichheiten zu vermeiden, hat die Politik beschlossen, die bisher unterschiedlich hohen Netznutzungsentgelte der vier Großen sukzessive anzugleichen. Der Norden profitiert dadurch, aber wir im Süden müssen für die nächsten Jahre von steigenden Belastungen durch die Angleichung ausgehen. Dies gilt auch für die zukünftigen (Zusatz-)Kosten für die neuen Leitungen, die ja teilweise sogar verkabelt werden sollen.

Wie geht es weiter?

In aller Munde ist die Elektromobilität. Neben der Frage, ob man wirklich alles nur auf ein Pferd setzen und den Gas- oder auch den Brennstoffzellenantrieb völlig vernachlässigen sollte, wird auch dies nicht ohne Netzausbau zu realisieren sein. Und zusätzlicher Netzausbau wird wieder Geld kosten, das der Verbraucher anteilig bezahlen muss.

Groß in der Diskussion war der Preis für das CO2 – was da auf den Verbraucher zukommt, ist meines Erachtens nicht abschätzbar. Uns auf dem Land wird es hier mehr belasten als einen Stadtbewohner, da man nicht einfach auf die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen kann, die vor allem in den großen urbanen Bereichen zu nahezu 100 Prozent subventioniert werden sollen.

Mit der einfachen Umrüstung der Heizung ist es dann nicht mehr getan, möchte man sich sein (altes) Eigenheim erhalten und nicht gleichzeitig durch immer höhere Belastungen de facto enteignet werden. Hier wird es vor allem die Bestandsgebäude betreffen.

Eine Bitte an die Politik:

Uns allen ist bewusst, dass wir mit unseren Ressourcen haushalten müssen, um auch den nachfolgenden Generationen einen Spielraum zu bieten. Aber bitte offen und ehrlich kommunizieren, wie sich die Belastungen der Bürger heute und in Zukunft zusammensetzen und wer der Auslöser dafür ist. Dass Steuern abgeschafft werden oder der Bürger entlastet wird, wie bei der CO2-Steuer verkündet, verweise ich in das Reich der Fabel.

Kuriosum

Die Sektsteuer, von Kaiser Wilhelm II zur Finanzierung der Flotte eingeführt, gibt es immer noch. Die kaiserliche Hochseeflotte hingegen, selbstversenkt, liegt seit nunmehr exakt 100 Jahren am Grund der Nordsee in Scapa Flow. 

BDEW 2019

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