Film ab im KiWi

Cineasten freuen sich über das Kino in Bad Wildbad. Netflix und co. ziehen Zuschauer ab. Mit Förderern will das KiWi auf Erfolgskurs bleiben.

Seit mehr als dreieinhalb Jahren gibt es das KiWi in seiner neuen Form. Während sich die Besucheranzahl von
4211 im Jahr 2015 auf 6378 im Jahr 2017 erhöhte, lässt sich bereits vor Jahresende absehen, dass diese für das laufende Jahr rückläufig ist. Besonders erfolgreich waren die Filme der letzten Jahre, wie die Top 4 zeigen.

Nur ein Film im Jahr 2018 schaffte es auf Platz 11 der Top-20-Liste: 228 Zuschauer haben sich „Weit. Die Geschichte von einem Weg um die Welt“ angesehen. Woran der Rückgang genau liegt, ist heiß umstritten. Sicher ist, dass 2018 keine richtig zugkräftigen Filme in die Kinos kamen. Vielleicht liegt es daran, dass die großen Filmstudios seit Jahren immer mehr Folgen von einstigen Erfolgsfilmen produzieren. Oder vielleicht auch an Netflix und Co., die immer mehr Talente und große Namen der Filmbranche an eigene Produktionen binden, die dann nie in die Kinos kommen. Oder vielleicht wird es ja einfach nur wärmer und das Wetter wird „besser“. Wer geht schon bei strahlendem Sonnenschein ins Kino?

Förderung und Sonderprogramme

„Durch eine Sonderveranstaltung binden wir einen Partner ans Kino, der die Filmvorführung zu seiner Sache macht. Diese Partner bringen ihre Mitglieder und Sympathisanten ins Kino. Sie nehmen dann Anteil am Erfolg der Veranstaltung. Und sie machen langfristig unser Kino in der Stadt bekannt. In den letzten Jahren haben wir eine Frequenz von vier bis fünf Sonderveranstaltungen pro Monat. Dies erlaubt uns, auch Filme zu spielen, die wir sonst nicht ins Programm nehmen könnten: Die Partner sorgen mit ihrer Zielgruppenwerbung für die nötigen Zuschauerzahlen“, sagt Joachim Wossidlo von der Touristik Bad Wildbad GmbH.

Filme in der französischen Originalversion mit Untertiteln würde es ohne die im Sommer viel zu früh gestorbene Sabine Keppler nicht geben. Sie hatte dafür gesorgt, dass die Teilnehmer der VHS-Sprachkurse und Mitglieder des Freundeskreis Cogolin ins Kino kamen. Dominique Peukert wird die Arbeit von Sabine Keppler fortsetzen. Um das Seniorenkino kümmert sich nun Käthe Keppler. Auch mit der Volkshochschule Calw besteht eine lange Zusammenarbeit.

Horst Walther vom Institut für Kino und Filmkultur e. V. in Wiesbaden war immer wieder im KiWi zu Gast und hat hier inzwischen eine treue Fangemeinde, die seine kompetenten und kurzweiligen Filmanalysen sehr schätzt. Aber auch andere Filme konnten mithilfe der VHS auf die Leinwand gebracht werden.

Seit zwei Jahren ist auch der Verein „Menschen Miteinander“, der das FestiWall 2017 und 2018 organisierte, ein fester Kooperationspartner. „Im Herbst zeigten wir gemeinsam eine Reihe von Dokumentarfilmen mit politischem Hintergrund. Dafür meinen Dank an Hubertus Welt!“, sagt Joachim Wossidlo.

2018 fand das Festival „Stadt-Land-Kino“ zum erstenmal statt und zwar zum Thema Wald in den vier Landkreisen Calw, Pforzheim, Freudenstadt und dem Enzkreis. Für den Landkreis Calw war das KiWi vertreten. Dessen großzügige Förderung machte ein Open-Air-Kino im Kurpark möglich.

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Engagement

Viele weitere Kooperationspartner unterstützen das KiWi. Der wichtigste Förderer ist die Stadt Bad Wildbad, von der es einen Zuschuss für Miete und Nebenkosten des Kinosaals gibt. Die Touristik Bad Wildbad GmbH macht die Buchhaltung und fungiert als Post- und Vorverkaufsstelle für das KiWi. Ohne all diese kostenfreien Arbeiten gäbe es das Kino nicht. Ein weiterer wichtiger Förderer ist die MFG Medien- und Film Baden-Württemberg mbH.

Im Herbst 2017 ist es dem KiWi gelungen, in das Netzwerk Europa Cinemas aufgenommen zu werden. Zu diesem Zweck bildete es einen Verbund mit dem Kommunalen Kino in Pforzheim. Fördergelder kann es zudem von der Filmförderungsanstalt (FFA) geben. Voraussetzung hierfür ist die Anzahl der deutschen und europäischen Filme, die gespielt werden.

Mitglieder im Förderkreis sind willkommen

Erfolgreicher als die Leinwandwerbung ist die Kooperation mit der Kulturminute. Die Kulturminute ist eine gebündelte und musikalisch unterlegte Veranstaltungsankündigung auf der Kinoleinwand. Der Veranstalter bezahlt dafür, den Spot vor jeder Vorstellung (ausgenommen sind Sonderveranstaltungen und Kinderfilme) zu zeigen. Der Inhalt wechselt alle zwei Wochen. „Die Zuschauer nehmen die Kulturminute interessiert zur Kenntnis und empfinden diese nicht als Werbung, sondern als einen Service. Eine Win-win-Situation“, meint Joachim Wossidlo. Er fügt hinzu: „Auch unser Förderkreis wächst stetig. Gegründet wurde er 2016, die Mitglieder bezahlen 30 Euro pro Jahr und erhalten im Gegenzug zwei Freikarten.
2017 gelang es uns, die Mitgliederzahl zu steigern und monatliche Treffen von interessierten Ehrenamtlichen zu etablieren. Dort sprechen wir über das zukünftige Programm und organisieren Unterstützungsmaßnahmen für unser Kino. Auf diese Weise gelang es uns, die Verteilung der Monatsprogramme in einer Auflage von 3500 Stück komplett ehrenamtlich zu organisieren. In diesem Herbst testen wir eine neue Idee. Auf Wunsch unserer Mitglieder haben wir die Treffen auf einen Montag Mitte/Ende des Monats verlegt (immer um 18.30 Uhr im KiWi) und zeigen jetzt jedes Mal einige Trailer von Filmen, die im nächsten Monat laufen werden. Neugierige und zukünftige Mitglieder sind herzlich willkommen.


Meistbesuchte Filme der letzten Jahre

  • 2016: Birnenkuchen mit Lavendel; Zuschauer: 535
  • 2015: Honig im Kopf; Zuschauer; 471
  • 2017: Willkommen bei den Hartmanns; Zuschauer: 424
  • 2017: Tatort Calw: Der Seher; Zuschauer: 362