Spannender Stadtwald

Holz aus dem Schwarzwald ist nicht nur hierzulande begehrt. Gehegt und gepflegt wird der Stadtwald in Bad Wildbad von erfahrenen Forstmitarbeitern vor Ort.

Der Schwarzwald ist reichlich mit Bäumen gesegnet. Das ist allgemein bekannt. Einen relativ großen Anteil an diesem Schatz hat Bad Wildbad. Etwa 2000 Hektar Wald nennt die Stadt ihr Eigen. Somit sind mehr als neunzig Prozent der Gemarkungsfläche bewaldet. Zum Vergleich: In ganz Baden-Württemberg sind insgesamt 38 Prozent der Fläche bewaldet.

Baumbestand bleibt ausgeglichen

Nicht

Nicht nur mitten im Wald, auch nahe der Straße sind Baumarbeiten nötig.

Vom Bestand im Stadtwald werden jährlich 12 300 Festmeter eingeschlagen. Dies entspricht rund 500 LKW-Ladungen. Der Einschlag wird zum Teil durch Lohnunternehmer durchgeführt, aber knapp die Hälfte erledigen die eigenen Waldarbeiter. Gut zu wissen: Der Baumbestand wird nicht dezimiert, denn der Gesamteinschlag entspricht dem jährlichen Zuwachs auf der Fläche. Mehr wird nicht eingeschlagen, gilt es doch, nachhaltig zu wirtschaften, um auch kommenden Generationen den wertvollen Wald zu erhalten. Ein Zahlenspiel kann das verdeutlichen: Der jährliche Zuwachs dividiert durch 365 Tage würde bedeuten, dass 33,7 Festmeter am Tag nachwachsen. Dies wiederum auf die Stunden heruntergebrochen ergäbe 1,2 Festmeter in der Stunde.

Ausgezeichneter Wald

Der Stadtwald hat natürlich eine PEFC-Zertifizierung erhalten. Sie bestätigt, dass der Stadtwald auf nachhaltige Weise und gemäß strengen Standards bewirtschaftet wird.

Erfahrenes Forstteam

Zum

Zum Stadtwald-Team gehören: Andreas Wacker, Alexander Popatenko, Matthias Mössinger, Martin Haag und Peter Göschl. Mit auf dem Bild ist Forstunternehmer Michael Keller aus Calmbach (dritter von links).

Wer meint, dass sich die zum Teil sehr schwierige und gefahrvolle Arbeit des Holzeinschlags nur auf die Steilhänge beschränkt, liegt falsch. Auch im Bereich der Stadt Bad Wildbad müssen die Mitarbeiter des Stadtwalds ihre Exzellenz oft unter Beweis stellen. Egal ob beispielsweise an Straßen oder am Friedhof, so manches Mal ist ein Eingreifen mit fast chirurgischer Präzision gefordert. Dies kann das Team um Förster Andreas Wacker und Kollege Werner Hildinger sowie den Forstwirten Martin Haag, Matthias Mössinger, Peter Göschl und Alexander Popatenko natürlich nur durch viel Erfahrung, sorgfältige Gefahrenanalyse und ständige Fortbildung leisten. Der langjährige Erfahrungsschatz aus zum Teil mehr als 30 Jahren ist durch nichts zu ersetzen.

Von Wegbereitung bis Brunnenbau

Fast so wichtig wie die normale Waldarbeit ist in manchen Teilen des Stadtwalds die touristische Arbeit. Es gilt, die Wege instand zu halten oder neue anzulegen. Das betrifft die zahlreichen Grillplätze, Hütten und Aussichtspunkte. Auch der Brunnenbau gehört zum Repertoire. Dieser stellt eine Besonderheit dar, denn der Brunnenbau zählt nicht zum Standard im allgemeinen Forstbetrieb.

Uralt und selten

Der Wald hält, meistens von der Öffentlichkeit unbemerkt, auch wirklich spannende Geschichten bereit. Einzigartig ist zum Beispiel die Geschichte der Wertkiefer (Forche). Vor etwa 10 000 Jahren – nach dem Rückgang der Gletscher – siedelte sich diese Baumart hier an und bedeckte die Bereiche groß­flächig. Durch die Erwärmung verschwand diese aber aus der Fläche und konnte sich nur an wenigen, ausgewählten Standorten halten. Diese Verinselung führte zu einer genetischen Isolation. Sie zeichnet sich durch spitze Kronen und gerade Stämme aus. Nur so war das Überleben im schneereichen Schwarzwald gewährleistet.

Vom Schwarzwald nach Japan

Außergewöhnlich ist aber auch das Wachstum. Kurze Vegetationsphasen und nährstoffarme Böden führen zu einem feinringigen Jahresaufbau. Dies macht das Holz besonders im Fensterbau zu einem begehrten Rohstoff, da es sich nicht verzieht und sehr resistent ist.
Fast noch ungewöhnlicher ist der Weg, den so manche Tanne zurücklegt. War es früher die Distanz über die Enz bis nach Holland, so ist heute der Weg bis nach Japan keine Seltenheit. Bemerkenswert ist zudem, dass aus diesem fernen Land die Aufkäufer kommen, die es sich nicht nehmen lassen, das Holz vor Ort zu begutachten und die Geschäfte abzuschließen. Auch die Verwendung des Holzes ist einzigartig. Entstehen doch aus diesem Holz die Hausaltäre und die Grabbrettchen, auf denen die Inschrift angebracht wird. So ist selbst in Japan ein Stück Schwarzwald aus Bad Wildbad vertreten.
Der Wald hat natürlich auch eine wirtschaftliche Bedeutung für Bad Wildbad. Jährlich werden aus den Holzverkäufen ungefähr 750 000 Euro Umsätze generiert und zahlreiche Dienstleistungen durch die Mitarbeiter des Forstes erbracht.