Vom Sommerberg ins Ahrtal

Firma Ochner packte kurzerhand den Bagger und fuhr vom Schwarzwald nach Rheinland-Pfalz, um vor Ort zu helfen.

Wir alle haben die Bilder noch vor Augen. Chaos und Zerstörung durch die Wassermassen, die in kürzester Zeit das Ahrtal fluteten. Auch die örtlichen Infrastruktur­be­trei­ber waren und sind massiv betroffen. Die Stadtwerke Bad Wild­bad stellten auf einer Plattform ihr Hilfsan­gebot in Form einer Wasser­aufbereitungs­anlage ein. Diese wurde aber nicht benötigt, denn die Zerstö­rungen betrafen haupt­­sächlich das Verteilnetz, und dies galt nicht nur für Wasser, sondern auch für Strom und Gas.

 

Hilfe aus dem Schwarzwald

Ein Unternehmen, das auch für uns tätig ist, die Firma Ochner GmbH Transporte aus Neuenbürg-Dennach, wollte ebenfalls helfen, überlegte nicht lange und durch einen Zufall entstand ein direkter Kontakt zum Bürgermeister der Gemeinde Hönningen. Vom Parkplatz am Hangbrückenweg wurde der 21 Tonnen schwere Bagger abgezogen. Dann ging es für Firmenchef Karl-Heinz Ochner, seinen Sohn Michael und zwei Mitarbeiter am 21. Juli um 3 Uhr nachts Richtung Ahrtal. Schon die Anfahrt gestaltete sich aufgrund der Zerstörungen schwierig. Nach mehr als sechs Stunden verschlug es selbst den gestandenen Männern im Angesicht der immensen Zerstörung den Atem. Die erste Aufgabe bestand darin, ein stark einsturzgefährdetes Haus, von dem natürlich für alle eine Gefahr ausging, vollständig abzureißen. Auch die Bewohner durften nicht hinein und die Versuche, langsam von oben zu beginnen, um gegebenenfalls noch einzelne persönliche Erinnerungsstücke zu retten, konnten nicht verhindern, dass der Großteil aller persönlichen Dinge für immer verloren ging.

 

Sehr viele Arbeitsstunden

Nach zwei vollen Tagen – wir sprechen hier aber von Tagen, in denen die Firma Ochner Transporte bis 22.30 Uhr im Einsatz war – wurde der Abtransport von jeglichem Unrat immer dringlicher. Dieser hatte den Weg auf die Straßen gefunden, als die Häuser geräumt wurden. Er musste jetzt dringend raus aus den Straßen und wurde auf außerhalb liegende Abladeplätze gebracht. Nachdem der Bagger in das Städtchen Liers verlagert worden war, um auch hier der nicht enden wollenden Flut von Abfall den Kampf anzusagen, wurde es noch einmal sehr spannend. Nach der Ankündigung weiterer starker Regenfälle bekam die Räumung eines Regenrückhaltebeckens höchste Priorität. Dies war beim ersten Mal von Schutt und Geröll vollständig geflutet worden. Innerhalb von eineinhalb Tagen und bis spät in die Nacht wurden 45 Fuhren! Material von dort verbracht!

 

Bevölkerung sorgte für Essen

Untergebracht waren Familie Ochner und Mitarbeiter in einer Ferienwohnung oberhalb der betroffenen Bereiche. Natürlich ohne Strom und fließendes Wasser. Erst ab dem fünften Tag wurden auch Duschzelte von den Hilfsorganisationen aufgestellt. Die Verpflegung übernahm – und dies ist besonders erwähnenswert – die zum Teil selbst betroffene Bevölkerung. Die Gespräche zwischen den Anwohnern und den Helfern können getrost als Seelsorge deklariert werden. Diese zwischenmenschlichen Begegnungen waren für alle vor Ort sehr wichti

 

Helfer mussten Maut bezahlen

Es gab natürlich auch sehr emotionale Momente. Hier ist das Wegräumen von Kindersachen und Kinderspielzeug noch am einfachsten zu verarbeiten, auch wenn dies schon traurig stimmt.
Die letzten Einsatztage wurden damit verbracht, die Uferbereiche von Unrat zu befreien beziehungsweise um eine Rampe zu erstellen, da die meisten Brücken zerstört und die Ahr daher nur sehr eingeschränkt zu überqueren war.
Eine Sache ist aber besonders erwähnenswert: Woher auch immer diese Säule im Ahrtal auf der B257 ihren Strom bekam, die Lkw-Maut wurde tapfer erfasst und der Firma Ochner Transporte in Rechnung gestellt. Dies wohlgemerkt in voller Höhe, obwohl die Straße zum Teil nur noch einspurig existierte!
Nicht nur aufgrund dieser Anekdote, sondern vor allem, weil wir das direkte Engagement der Familie Ochner sehr wertschätzten, haben sich die Stadtwerke Bad Wildbad ein wenig am Aufwand beteiligt, da dies ja unmittelbar den Betroffenen vor Ort zugutekam.