Industrie zahlt weniger

Ein neuer Indikator zeigt die Entwicklung der Energiekosten für die Industrie. Das Ergebnis: Die Kostenbelastung hat um 20 Prozent abgenommen.

Die Energiewende koste zu viel Geld, teurer Strom sei ein Wettbewerbsnachteil und gefährde den Standort Deutschland – mit solchen Argumenten brachte sich die Industrie in die Debatte um den Umbau der Energieversorgung ein. Bislang war kaum nachweisbar, wie sich die Mehrbelastungen über die Jahre entwickelt haben. Das ändert nun eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und des Öko-Instituts im Auftrag der European Climate Foundation (ECF).

Energiekosten im Verhältnis zum Wert der Produktion

Der von beiden Instituten veröffentlichte Energiekostenindex für die deutsche Industrie (EKI) setzt den Energieaufwand in Relation zu Produktion und Wertschöpfung. Der Indikator zeigt: Für die deutsche Industrie sind die Energiekosten in den vergangenen Jahren um rund 20 Prozent gesunken. Industrieunternehmen zahlten im ersten Quartal dieses Jahres monatlich 2,68 Milliarden Euro für Energie, etwa 320 Millionen Euro weniger als im Jahr 2010. Verglichen mit 2013 waren es sogar 570 Millionen Euro weniger. Am stärksten trug dazu der Preisrückgang von Erdgas, Öl und Kohle bei, sagte der DIW-Forscher Sebastian Petrick. Zudem sparten die Betriebe Energie ein, während gleichzeitig die Produktion anzog.

Energieintensive Betriebe sparen am meisten

Im Durchschnitt gibt die Industrie 1,8 Prozent des Bruttoproduktionswerts für Energie aus. Bei energieintensiven Betrieben liegt der Wert bei vier Prozent und ist damit seit 2010 um 32 Prozent gesunken. Das liege daran, dass die Unternehmen ihre Energie stärker als andere auf den Großhandelsmärkten beschaffen und deshalb stärker von den besonders deutlichen Preisrückgängen an den Börsen profitiert haben. Bei mittelenergieintensiven Industrien sind die Kosten um knapp zehn Prozent zurückgegangen, bei wenig energieintensiven Industrien um etwa zwei Prozent.